Im Großen und Ganzen verlief das Leben von Frank Z. in geregelten Bahnen. Nicht dass er sich zuweilen nicht andere, weitere Bahnen wünschte. Aber diese dürften dann nicht weniger geregelt sein, sonst würde er doch lieber darauf verzichten. Solche Gedanken sind natürlich müßig, das Leben bittet nicht um Erlaubnis. Frank Z. wusste das auch, konnte es aber trotzdem nicht immer lassen. Eine kleine subversive Hirnwindung hatte sich - im Laufe der Jahre fast bis zur Perfektion austrainiert - auf blitzartige Überfälle auf seinen Intellekt spezialisiert. Sie stieß vor, brachte alles in Unordnung und wich dann schnell wieder zurück, so dass die anrückende Rationalität sie nie zu fassen bekam und ihr Versteck unentdeckt blieb. Bei den erwähnten Bahnen beispielsweise bescherte der Vorstoß den Wunsch nach Neuem, die Rationalität konnte diesen Wunsch - da ihn zu leugnen den Tatbestand der geistigen Verwirrung offensichtlich gemacht hätte - nur relativieren, indem sie das Neue in das Korsett des Bewährten zwängte. Im Folgenden geht es hingegen um eine Begebenheit, in der bei einer solchen Kampfhandlung Ursache und Wirkung die Plätze tauschten oder besser: verließen, wenn auch nur kurz.

Frank Z. hatte aus den Nachrichten erfahren, dass die Züge, die ihn zur Arbeit brachten, an diesem Tag (und den folgenden) nicht fuhren. Er war gezwungen, einen etwas weiteren Weg mit dem Bus auf sich zu nehmen. So kam es, dass er den Weg zum Bahnhof, den er sonst zu Fuß zurücklegte, mit dem Bus fuhr, der ebenfalls diesen Weg nahm. Der Weg führte ihn täglich an einer Gaststätte vorbei, deren Wirt er immer, da jener in den frühen Stunden noch die Muße hatte vor der Tür zu stehen, beim Vorbeigehen von der anderen Straßenseite aus freundlich zuwinkte. Auch heute stand er wieder vor der Tür. Frank Z. saß an einer Stelle, an der die außen am Bus angebrachte Reklame sich über die Fensterscheibe erstreckte und diese von außen nicht, von innen nur wenig durchsichtig machte. Als er den Wirt durch diesen Sichtschutz erblickte, erkannte die Hirnwindung sofort ihre Chance einen - diesmal endgültigen - Sieg zu erringen. Sie ließ ihn die Hand zum Gruß heben. Seine Rationalität machte noch mobil, so dass er keinerlei Zweifel hatte, ihm vielmehr nichtmal bewusst war, dass Zweifel überhaupt angebracht wären. Bevor es zu spät war, hob sich auch die Hand des Wirts, und Frank Z. dachte noch 'Erwischt', da kratzte sich der Wirt am Kopf und grinste.